Textilien

Ökologische und soziale Herausforderungen beginnen bereits am Anfang der textilen Kette, bei den eingesetzten Fasern. Weltweit wurden im Jahr 2018 rund 100 Mio. Tonnen Fasern produziert. Diese teilen sich grob in Naturfasern und Chemiefasern auf. Unter den Naturfasern ist Baumwolle mit weitem Abstand die wichtigste Faser, aus der Textilien hergestellt werden, gefolgt von Wolle.

Viele Produkte, insbesondere Frottierwaren, werden aus 100 % Baumwolle hergestellt. In vielen Einsatzbereichen, u.a. Bettwäsche, werden aber auch Mischfasern genutzt. Mischfasern können aus verschiedenen Naturfasern, verschiedenen Chemiefasern oder einer Mischung aus Natur- und Chemiefasern bestehen.

Bereiche

    Baumwolle

    Ein großer Teil der weltweit genutzten Baumwolle kommt aus dem Globalen Süden. Dort wird Baumwolle insbesondere von kleinbäuerlichen Familien angebaut. In der Saison 2018/19 wurden knapp 26 Mio. Tonnen Baumwolle produziert. Indien, die USA und China sind die wichtigsten Anbauländer.

    Baumwolle wird überwiegend „konventionell“, d.h. unter hohem Pestizideinsatz, angebaut: Obwohl Baumwolle nur auf rund 2 % der globalen Ackerfläche angebaut wird, werden hier 16 % der weltweit eingesetzten Pestizide benutzt. Für den Baumwollanbau fällt überall dort, wo nicht im Regenfeldbau produziert wird, ein hoher Verbrauch von Oberflächen- und Grundwasser an. In vielen Anbauregionen sinkt deshalb der Grundwasserspiegel und die künstliche Bewässerung führt zur Versalzung der Böden. Außerdem wird seit vielen Jahren vor allem gentechnisch-verändertes Saatgut eingesetzt, ursprünglich um Erträge zu steigern und den Einsatz von Chemikalien reduzieren zu können. Doch durch Resistenzbildungen und in der Folge wieder steigendem Chemikalieneisatz sowie die zunehmende Abhängigkeit der Farmer*innen von Saatgutkonzernen wie z.B. Monsanto/Bayer, ist GV-Saatgut selbst zum sozialen und ökologischen Problem geworden.

    Sowohl staatliche als auch private Nachhaltigkeitsstandards bemühen sich um nachhaltigere Bedingungen im Baumwollanbau. Zu diesen gehören zunächst die Standards der ökologischen Landwirtschaft. Diese Standards können von Land zu Land variieren, gemeinsam ist ihnen aber das Verbot, synthetische Agrarchemikalien (z.B. Pestizide) sowie gv-Saatgut zu verwenden. Zudem gibt es FairTrade Standards, die die Arbeitsbedingungen und die Löhne beim Baumwollanbau verbessern.

    Der Anteil von bio oder FairTrade zertifizierter Baumwolle ist leider aber nach wie vor immer noch verschwindend gering: In der Saison 2018/19 wurden knapp 240.000 Tonnen ökologisch und gerade einmal 17.000 Tonnen Baumwolle FairTrade zertifiziert. Rund 10.000 Tonnen der jeweiligen Gesamtmenge trugen beide Siegel.

    Das Fairtrade-Siegel als Anhänger und als eingenähtes Etikett am Produkt gibt Ihnen die Sicherheit, dass Baumwollproduzenten einen fairen und stabilen Preis für ihre Baumwolle erhalten. Auch alle anderen Hersteller innerhalb der Produktionskette wie Spinnereien, Webereien oder Konfektionäre verpflichten sich, die anerkannten Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einzuhalten.

    Um gerechte Bedingungen in der gesamten Lieferkette zu schaffen, gibt es seit 2016 den Fairtrade-Textilstandard und das Textilprogramm. Zusammen mit dem Standard für Fairtrade-Baumwolle können so alle Beteiligten der Produktionskette erreicht werden.

    Das GOTS-Siegel gehört zu den meinst vergebenen Nachhaltigkeitslabels in der Textilbranche und bildet dabei die gesamte Herstellungskette ab. Grundsätzlich müssen alle Produkte mit dem GOTS-Siegel zu mindestens 70 Prozent aus biologisch erzeugten Naturfasern bestehen und die ILO- Mindestkriterien erfüllen.  (Internationalen Arbeitsorganisation (ILO))

    Chemiefasern

    Für die Herstellung von Textilien werden neben Baumwolle auch verschiedene Chemiefasern eingesetzt. Chemiefasern werden in synthetische Chemiefasern, die auf Erdöl basieren, und zellulosische Chemiefasern, die überwiegend auf Holz basieren, unterschieden. Im Jahr 2018 wurden laut Industrievereinigung Chemiefasern (IVC) mehr als 73 Mio. Tonnen Chemiefasern produziert, wovon knapp 67 Mio. Tonnen synthetische Chemiefasern waren.

    Synthetische Chemiefasern machen also rund zwei Drittel der Weltfasermenge aus. Die Erdölmenge, die zu ihrer Produktion eingesetzt wird, entspricht knapp 1 % des jährlichen globalen Erdölbedarfs. Die einzige synthetische Chemiefaser, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird, ist Polyactid. Basis hierfür sind Abfälle der industriellen Landwirtschaft.

    Mehr als 60 % der synthetischen Chemiefasern sind Polyesterfasern (66,6 Mio. Tonnen in 2018). Sie stecken in vielen Produkten, aus denen Bettwaren oder Berufsbekleidung hergestellt werden (u.a. Trevira).

    Obwohl synthetische Chemiefasern aus einem nicht-erneuerbaren Rohstoff hergestellt werden und damit nur schwerlich als „nachhaltig“ bezeichnet werden können, ist genauso schwer vorzustellen, dass sie vollständig durch Fasern, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wurden, ersetzt werden können.

    Cellulosische Chemiefasern basieren im Unterschied zu synthetischen Chemiefasern auf nachwachsenden Rohstoffen, vor allem auf Holzmasse (Eukalyptus, Pinie, Buche). Cellulosische Chemiefasern bilden mit einem Anteil von knapp 7 % an der Weltproduktion von Fasern (oder 6,8 Mio. Tonnen 2018) die drittwichtigste Faser nach Polyester und Baumwolle. Viskose, Tencel, Modal, Lyocell oder Bambus sind die vielleicht bekanntesten Fasern aus dieser Kategorie. Wenn der Rohstoff auch nachwachsend ist, so wird doch geschätzt, dass rund ein Drittel der jährlich 150 Mio. Bäume, die für die Fasergewinnung benötigt werden, aus alten und gefährdeten Wäldern gewonnen werden. Für eine Tonne Fasern werden 2,5 bis 3 Tonnen Holz benötigt. Außerdem erfordert die Gewinnung der Zellulose einen hohen Einsatz von Chemikalien (Schwefelkohlenstoff, Natronlauge) und Energie.

    Nachhaltige Chemiefasern

    Auch Chemiefasern können nachhaltig bzw. nachhaltiger als konventionelle Chemiefasern produziert werden. Auch hier ist zwischen synthetischen und cellulosischen Chemiefasern zu unterscheiden:

    Da synthetische Chemiefasern mit einer Ausnahme (Polyactid, s.o.) aus einem nicht-nachwachsenden Rohstoff gewonnen werden, kann Nachhaltigkeit hier nur im Recycling liegen. Am relevantesten ist hier das Recycling von Polyesterfasern: Jährlich werden in Europa 40 % aller PET-Flaschen zu Fasern verarbeitet. Dies entspricht 40 Mio. PET-Flaschen und einer Einsparung an primären Rohstoffen von 200.000 Tonnen. Im Vergleich zur Gesamtmenge der Polyesterfasern (66,6 Mio. Tonnen in 2018) ist der Recycling-Anteil also sehr gering.

    Wer cellulosische Chemiefasern nachhaltig produzieren will, muss die Nutzung von Holz aus alten und gefährdeten Wäldern ausschließen. Hierfür ist eine Forest-to-Fashion-Nachverfolgbarkeit erforderlich (s. z.B. CanopyStyle) und alternative Materialien zur Zellulosegewinnung stärken. Dazu können Baumwolltextilien gehören (1 Tonne Baumwolleabfall /genutzte Baumwolltextilien ergeben 1 Tonne cellulosische Chemiefasern). Weiterhin ist wichtig, bei der Faserproduktion erneuerbare Energien einzusetzen und geschlossene Wasserkreisläufe sicherzustellen, damit die eingesetzten Chemikalien nicht in die Umwelt gelangen.

    Da synthetische und cellulosische Chemiefasern in Ländern produziert werden, die erhebliche arbeitsrechtliche Risiken aufweisen (u.a. China, Indien, Indonesien), muss auch auf die soziale Nachhaltigkeit von umweltfreundlicher produzierten Chemiefasern geachtet werden. Entsprechende Sozialstandards/-initiativen wie die Fair Wear Foundation oder der Fairtrade Textilstandard sind also zusätzlich zu berücksichtigen.

    Als Reaktion auf die Katastrophe von Rana Plaza hat Bundesminister Gerd Müller (BMZ) im Oktober 2014 ein „Bündnis für nachhaltige Textilien“ ins Leben gerufen.  Ziel dieses Bündnisses sind nachprüfbare soziale und ökologische Verbesserungen in der gesamten Wertschöpfungskette von Textilien und Bekleidung, z.B. durch die Zahlung von existenzsichernden Löhnen. Es ist ein neuer Versuch, auf freiwilliger Basis Veränderungen zu erreichen. Der Mehrwert dieses Textilbündnisses – im Vergleich mit vergangenen Initiativen – besteht darin, dass es verschiedene Akteur*innen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und Ministerien zusammenbringt (Multi-Stakeholder-Ansatz) und Gewerkschaften wie Zivilgesellschaft in Produktionsländern einbeziehen will. Nach heutigem Stand (Juli 2020) hat das Bündnis 132 Mitglieder, davon 82 Unternehmen.

    www.textilbuendnis.com

    Großverbraucher Diakonie und Caritas

    Diakonische Einrichtungen, insbesondere im stationären Bereich der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, sind Großverbraucher von Textilien. Dabei geht es in erster Linie um „Flachwäsche“, d.h. um Bettwäsche und Frottierwaren sowie um Arbeitskleidung. In aller Regel werden diese Produkte nicht selbst gekauft und gereinigt, sondern es werden sog. „Textile Vollversorger“ beauftragt. Sie kaufen die Textilien ein und vermieten sie, einschließlich der Reinigung und des Transportes.

    Auch wenn die meisten Vollversorger bemüht sind nachhaltig zu wirtschaften, so spielen die sozialen und ökologischen Bedingungen, unter denen ihre textilen Produkte hergestellt werden, in aller Regel keine Rolle. Kriterien der Qualität und des Preises stehen im Vordergrund.

    Dabei geht es hier um sehr große Mengen, ein Krankenhaus mit 800 Betten verbraucht beispielsweise mehr als 3 t Wäsche pro Tag. Mittlerweile gibt es auch zunehmend nachhaltige Alternativen bei den Vollversorgern.

    Weitere Informationen: Diakonie, Caritas & Großverbraucher

     

    Ansprechpartner für nachhaltige Textilien

    Ausführliche Informationen zum Bereich Textilien für Großverbraucher erhalten Sie beim SÜDWIND Institut für Ökonomie und Ökumene oder direkt bei Dr. Sabine Ferenschild.

    Pfarrer Dietrich Weinbrenner ist Beauftragter für nachhaltige Textilien in der EKvW und berät und begleitet kirchliche und diakonische Einrichtungen.